![]() Clusius Garten im Hortus Botanicus, Leiden |
Der Humanist und Mediziner Carolus Clusius (Charles de l’Écluse, 1526-1609) war zudem einer
der bedeutendsten Botaniker seiner Zeit. Überall in Europa importierte und verteilte er eine
große Vielzahl an exotischen Pflanzen, unter anderem die Kastanie, die Tulpe und andere
westasiatische Zwiebelgewächse, aber auch die Kartoffel und die Tomate. Er bereiste große
Teile Europas, sammelte Pflanzen, Blumenzwiebeln sowie Saatgut und schrieb die erste Flora
der Welt. Als erster Präfekt des botanischen Gartens der Universität Leiden war er verantwortlich für Pflanzung aller möglichen Pflanzenarten, wobei er sich nicht nur auf medizinische Pflanzen beschränkte, wie es bisher in universitären Gärten üblich war. Er setzte den Anfangspunkt für eine neue Entwicklung innerhalb der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Vor Clusius' Zeit wurde die Natur im Westen gewöhnlich hinsichtlich ihres Nutzens für den Menschen betrachtet. Clusius war somit einer der ersten, der sich der Botanik mit echtem wissenschaftlichem Interesse widmete. Anhand der Rekonstruktion von Clusius' Garten im Hortus botanicus wird deutlich, dass Clusius nicht nur Botaniker sondern auch ein engagierter Gärtner war. Er pflanzte seine Sammlung auf eine Weise, die die einzelnen Pflanzen vollends zur Geltung brachte. Weiterhin ist bekannt, dass der Leidener Garten nicht der einzige war, in dessen Planung Clusius aktiv involviert war: er war Direktor des botanischen Gartens von Kaiser Maximilian II. von Österreich in Wien und entwarf außerdem Gärten für einige seiner Freunde. |